Genesungswege

Petra Balschuweit, Praxis für Naturheilkunde und spirituelle Heilweisen

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Audrey Amaro

Vom Umgang mit Trauer und Verlust

Den Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen zu erle­ben ist ein schmerz­haf­tes Ereig­nis, das die Betrof­fe­nen häu­fig in Berei­che der Psy­che und der Emo­tio­nen kata­pul­tiert, die als uner­träg­lich und unüber­wind­bar erlebt wer­den. Oft taucht dabei das Gefühl auf, sich selbst nicht mehr wie­der zu erken­nen, und das Leben nicht mehr bewäl­ti­gen zu können.

Es ist hilf­reich zu wis­sen, dass die Ver­ar­bei­tung von Trau­er und Ver­lust ein län­ge­rer Pro­zess ist, der in ver­schie­de­nen Pha­sen ver­läuft, die ein sehr wei­tes emo­tio­na­les Spek­trum abde­cken. Wäh­rend Eli­sa­beth Küb­ler-Ross, die 2004 ver­stor­be­ne Psych­ia­te­rin und Begrün­de­rin der moder­nen Ster­be­for­schung, fünf ver­schie­de­ne Pha­sen (Leug­nen, Wut, Feil­schen und Ver­han­deln, Depres­si­on und Annah­me) beschreibt, gibt es auch ande­re Model­le, die drei wei­te­re Pha­sen (Des­or­ga­ni­sa­ti­on, Depres­si­on und Angst) benennen.

In jedem Trau­er- und Ster­be­pro­zess wer­den die ver­schie­de­nen Pha­sen durch­lebt, aller­dings in jeweils unter­schied­li­cher Län­ge und auch nicht unbe­dingt in der jeweils glei­chen Reihenfolge.

Leugnen

In die­ser Pha­se erscheint der Ver­lust noch völ­lig irre­al. Man befin­det sich in Art Schock­star­re, fühlt sich wie betäubt und kann nicht glau­ben, dass dies wirk­lich gesche­hen ist. Das Leug­nen ist eine Art natür­li­cher Schutz für den Trau­ern­den, unter dem er ver­har­ren kann, bis die Zeit gekom­men ist, dass er sich mit dem Ver­lust aus­ein­an­der­set­zen kann.

Wut

Fra­gen wie: „War­um aus­ge­rech­net ich/mein Mann/meine Frau …“ wer­den oft mit gro­ßer Wut gestellt: an Gott, die Ärz­te oder ande­re Per­so­nen. Die Wut ist eine feu­ri­ge, leben­di­ge Ener­gie, die dabei hilf­reich sein kann, sich von Schock und den Schmer­zen zu erho­len. Wird die Wut unter­drückt, kann dies Feind­se­lig­keit und Depres­si­on zur Fol­ge haben. Es ist hilf­reich, die Wut zu kana­li­sie­ren, indem man ihr einen ange­mes­se­nen Aus­druck verleiht.

Schuldgefühle

In die­ser Pha­se quält man sich mit Selbst­vor­wür­fen wie „war­um habe ich nicht …“ oder „wäre ich doch nur …“ Schmerz­haft ist der Wunsch, bestimm­te Din­ge anders revi­die­ren zu kön­nen. Es ist hilf­reich, die­se Vor­stel­lun­gen von Schuld mit Drit­ten zu bear­bei­ten und zu dem Ver­ständ­nis zu gelan­gen, dass der Tod zum Leben gehört.

Desorganisation

Nach­dem der Ver­lust schon ein Stück weit ver­ar­bei­tet wer­den konn­te, kommt es häu­fig zu einer Wel­le ver­schie­dens­ter Emo­tio­nen, die den Trau­ern­den mit einem schnell wech­seln­den Pot­pour­ri an star­ken Gefüh­len kon­fron­tie­ren. Dazu gehö­ren z. B. Angst, Erleich­te­rung, Zwei­fel, Wider­wil­le, Wut und Traurigkeit.

Verhandeln / Feilschen mit Gott

Obwohl man weiß, dass es irra­tio­nal ist, kann es dazu kom­men, dass Trau­ern­de mit Gott dar­über feil­schen, dass die ver­stor­be­ne Per­son wie­der zurück­kom­men kann, dass der Tod unge­sche­hen gemacht wird. Auch dies ist ein wei­te­rer Schritt der Ver­ar­bei­tung der Trauer.

Depression

In die­ser Pha­se fällt man in ein tie­fes Loch der Apa­thie und Hoff­nungs­lo­sig­keit. Man hat kei­ne Ener­gie und Lust zu irgend­wel­chen Akti­vi­tä­ten. Alles erscheint sinn- und hoff­nungs­los, und man hat kei­ner­lei Inter­es­se an irgend­et­was. Die­se depres­si­ve Nie­der­ge­schla­gen­heit kann durch­aus über Mona­te hin­weg andau­ern. Es ist wich­tig sich die Zeit zu geben, die es braucht, um durch die­se Zeit zu kommen.

Angst

Es kann gesche­hen, dass die Angst (eben­falls ein nor­ma­ler Bestand­teil des Trau­er­pro­zes­ses) beginnt, sich über aller­lei Lebens­be­rei­che zu erstre­cken und zu zwang­haf­ten, angst­be­setz­ten Vor­stel­lun­gen führt. Auch hier ist es hilf­reich, sich Unter­stüt­zung im Außen zu holen.

Akzeptanz

Nach all dem Rin­gen und dem Schmerz stellt sich irgend­wann die Akzep­tanz des Ver­lus­tes ein – und der Hei­lungs­pro­zess beginnt. Man öff­net sich für neue Mög­lich­kei­ten, neue Hoff­nung keimt auf und das Inter­es­se am Leben kehrt zurück. Der Ver­lust der gelieb­ten Per­son wird inte­griert in das Leben.

 

In allen Pha­sen ist es wich­tig, sei­ne Gefüh­le zuzu­las­sen und zu kom­mu­ni­zie­ren. Tod und Ver­lust gehö­ren zu den schmerz­volls­ten und schwie­rigs­ten Erleb­nis­sen, mit denen wir wäh­rend unse­res Lebens kon­fron­tiert werden.

Sich Unter­stüt­zung zu suchen, auch jen­seits von ande­ren Ange­hö­ri­gen und Freun­den z. B. in Form einer Trau­er- oder Selbst­hil­fe­grup­pe (die regio­nal zahl­reich zu fin­den sind) kann über­aus ent­las­tend und hilf­reich sein.

Literaturempfehlungen

  • Eil­s­a­beth Küb­ler-Ross: „Über den Tod und das Leben danach“ (und ihre ande­ren Werke)
  • Astrid Laub: „Du bleibst in mei­nem Her­zen: Wie Sie Trau­er ver­ste­hen und bewäl­ti­gen – Das Hand­buch der Trauerbewältigung“

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