Genesungswege

Petra Balschuweit, Praxis für Naturheilkunde und spirituelle Heilweisen

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Das Mikrobiom: Gesunder Darm, gesunder Mensch

Wer bin ich, und wenn ja – wie vie­le? Die­se Fra­ge hat mich, sehr wört­lich genom­men, tief­ge­hend beschäf­tigt, als wäh­rend eines Aus­bil­dungs­mo­duls zum „Fach­be­ra­ter für Darm­ge­sund­heit“ fol­gen­de Zah­len­ver­hält­nis­se auf­ge­zeigt wur­den: auf und in unse­rem mensch­li­chen Kör­per leben 10 mal mehr Bak­te­ri­en als wir mensch­li­che Zel­len haben. Man ver­mu­tet ca. 10.000 ver­schie­de­ne Bak­te­ri­en­ar­ten auf und in uns (die meis­ten davon natür­lich im Darm). Die­se besit­zen gemein­sam etwa 8 Mil­lio­nen Gene, wobei wir Men­schen nur etwa auf 22.000 Gene kom­men. Da kommt man ins Philosophieren …

Ohne die­se Bak­te­ri­en könn­ten wir nicht exis­tie­ren: Sie sind für uns über­le­bens­not­wen­dig und tra­gen zu unse­rer Gesund­heit bei.

Wenn wir unse­ren Darm (der seit dem Buch Darm mit Charme glück­li­cher­wei­se mit etwas weni­ger Scham besetzt ist) in sei­ner Funk­ti­on näher betrach­ten, so wird uns klar, dass die Darm­wand unse­re inne­re Welt von der Äuße­ren trennt – und im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tesn­be­stimmt, was wir sind. Alles, was wir uns durch den Mund zufüh­ren, wird hier ent­we­der in den Kör­per auf­ge­nom­men, sozu­sa­gen als Bau­ma­te­ri­al oder Ener­gie-Kraft­stoff ver­ar­bei­tet, oder eben wie­der ausgeschieden.

Das ken­nen wir ja: Du bist, was Du isst … Das stimmt aller­dings nur zur Hälf­te – die ande­re Hälf­te der Wahr­heit bestimmt unser Verdauungstrakt.

Für unse­re (Darm)-Gesundheit spie­len zwei Fak­to­ren eine ent­schei­den­de Rolle:

  1. Die Besie­de­lung des Darms mit aus­rei­chend „guten“ Leit­keim­stäm­men (ganz banal kann man es so aus­drü­cken, dass es gute/nützliche Stäm­me gibt, eben­so wie schlechte/schädliche Stäm­me und Mit­läu­fer – Oppor­tu­nis­ten –, die sich nach der anfüh­ren­den Mehr­heit rich­ten – also fast genau­so, wie im rich­ti­gen Leben). Jeder Stamm hat eine Haupt-Fähig­keit, und in der Syn­er­gie mit ande­ren kann er bestimm­te wei­te­re Neben­fä­hig­kei­ten aus­bil­den. So gibt z. B. einen Stamm (die Fir­mi­cu­tes fae­cis), der noch Ener­gie aus nor­ma­ler­wei­se unver­dau­li­chen Bal­last­stof­fen gewin­nen kann; das bedeu­tet, dass die glei­che Mahl­zeit bei einem sol­cher­ma­ßen besie­del­ten Darm wesent­lich mehr Kalo­rien­zu­fuhr mit sich bringt als nor­ma­ler­wei­se. Bei hart­nä­cki­gem Über­ge­wicht, bei dem auch mit ent­spre­chen­der Ernäh­rungs­um­stel­lung und Bewe­gung kei­ne wirk­li­che Ver­än­de­rung im Stoff­wech­sel und Gewicht fest­zu­stel­len ist, lohnt es sich, mit einem Stuhl-Test wei­ter­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen einzuholen.
  2. Eine intak­te Darm­schleim­haut, denn 70% aller Leis­tun­gen des Immun­sys­tems wer­den im Darm erbracht. Chro­ni­scher Stress gilt eben­so wie eine Fehl­be­sie­de­lung des Darms und den dar­aus resul­tie­ren­den Ent­zün­dun­gen an der Darm­schleim­haut als Ursa­che für das sog. Leaky-gut-Syn­drom (eine löcherige/durchlässige Schleim­haut). Das wie­der­um ist die Ursa­che vie­ler unspe­zi­fi­scher Erkran­kun­gen wie z. B. Migrä­ne, All­er­gien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
    Reiz­darm­syn­drom etc.

Mitt­ler­wei­le weiß man, dass Stö­run­gen im Darm­trakt direk­te Aus­wir­kun­gen auf die Psy­che und see­li­sche Ver­fas­sung haben. Die pas­sen­den Darm­bak­te­ri­en, die indi­vi­du­ell pas­sen­de Ernäh­rung und klei­ne Ver­än­de­run­gen in der Gestal­tung des All­tags kön­nen gro­ße Ver­än­de­run­gen in der Stim­mung bewir­ken. Span­nend ist es auch die Erkennt­nis, dass es eine sog. Darm-Hirn-Ach­se gibt (oder: gut-brain-axis), die über die Ner­ven­zel­len neun­mal mehr Infor­ma­tio­nen vom Darm ins Gehirn als vom Gehirn in den Darm lei­tet. Das „Bauch­hirn“ ist dabei unab­hän­gig vom zen­tra­len Nervensystem.

Lan­ge Zeit war ich der Über­zeu­gung, dass die­se Ver­än­de­run­gen in der Psy­che nur über die Arbeit mit der Psy­che erreicht wer­den kann, beob­ach­te aber zuneh­mend, dass eine sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­on aus kör­per­li­chen und emo­tio­na­len The­ra­pie­an­sät­zen schnel­ler und nach­hal­ti­ger zum gewünsch­ten Ziel führen.


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