Genesungswege

Petra Balschuweit, Praxis für Naturheilkunde und spirituelle Heilweisen

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Abadiânia im Winter 2017

Leben lernen: Nachlese der Winter-Reise zu João de Deus in Abadiânia

Nach der für die­ses Jahr ers­ten Rei­se nach Aba­diâ­nia zu João de Deus konn­te ich nach Abrei­se der von mir beglei­te­ten Grup­pe eine Woche allei­ne in Aba­diâ­nia sein, und mich dort mir selbst und mei­nem eige­nen Pro­zess zu wid­men.

Natür­lich bie­tet das Allei­ne-Unter­wegs-Sein dort auch vie­le Mög­lich­kei­ten, beson­de­re Men­schen ken­nen­zu­ler­nen und wesent­li­che Gesprä­che zu füh­ren, die weit ent­fernt sind von „mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Ich durf­te eini­ge Men­schen näher ken­nen­ler­nen, die eines gemein­sam hat­ten: nie­der­schmet­tern­de, ter­mi­na­le Dia­gno­sen (mit allen dazu­ge­hö­ri­gen und vor­an­ge­gan­gen schul­me­di­zi­ni­schen Behand­lun­gen und allen nur denk­ba­ren phy­si­schen und psy­chi­schen Schmer­zen) – und nach medi­zi­ni­scher Ansicht ohne die gerings­te Hoff­nung auf Sta­gna­ti­on, Lin­de­rung oder gar von Hei­lung.

Eini­ge von ihnen leben schon seit Mona­ten, man­che seit Jah­ren in Aba­diâ­nia und haben sich dort ganz auf ihren spi­ri­tu­el­len Heil­weg ein­ge­las­sen. Ich ver­nei­ge mich vor all die­sen Men­schen, ihrem Mut, ihrer Weis­heit, ihrer Kraft, ihrer Lie­be und Demut – in Dank­bar­keit für die unglaub­li­che Inspi­ra­ti­on, die sie für ande­re sind. Leben­de Per­so­nen und über­aus leben­di­ge Bewei­se, dass so vie­les mög­lich ist, was unmög­lich erscheint. Ich habe auch Men­schen wie­der getrof­fen, die vor eini­gen Mona­ten schein­bar am Ende ihres Lebens­wegs ange­kom­men waren und nun aus­sa­hen wie das blü­hen­de Leben selbst.

In der Casa gibt es ein geflü­gel­tes Wort: „Die geis­ti­ge Welt macht 50% aus. Die ande­ren 50% musst Du selbst bei­tra­gen.“ Was ist damit gemeint? Zum einen natür­lich, dass man sich nach sei­nem bes­ten Ver­mö­gen auf den Ablauf und das Pro­ce­de­re ein­lässt und den dort übli­chen Vor­ga­ben Fol­ge leis­tet. Und zum Zwei­ten, dass man sich sei­nen Pro­zes­sen stellt: man begeg­net im Ver­lauf des Weges dort sei­nen inne­ren Dämo­nen, lan­ge ver­dräng­ten Gefüh­len oder Trau­ma­ta sowie selbst­ver­let­zen­den, ein­schrän­ken­den Über­zeu­gun­gen, die chro­ni­sche kör­per­li­che bzw. psy­chi­sche Krank­hei­ten mit­ver­ur­sacht haben könn­ten.

Das ist nicht leicht und auch nicht ange­nehm, haben wir doch unser gan­zes Leben damit ver­bracht, genau das nicht mehr füh­len, bzw. sehen zu wol­len oder zu kön­nen – dabei ist des­sen lie­be­vol­le Annah­me für die Hei­lung uner­läss­lich.

An die­ser Stel­le möch­te ich noch­mals ein­schie­ben, dass Hei­lung in mei­ner Wahr­neh­mung nicht zwangs­wei­se Sym­ptom­frei­heit des phy­si­schen Kör­pers bedeu­tet. An ande­rer Stel­le habe ich Men­schen an der Schwel­le zum Tod ken­nen­ge­lernt, die auf die ande­re Sei­te gewech­selt sind – aber sie konn­ten ein paar Tage vor dem „Über­gang“ zuvor wahr­haft ver­ge­ben. So konn­ten sie in Frie­den und im tie­fen Ein­ver­stan­den­sein gehen anstatt im tiefs­ten Groll und Streit mit Ange­hö­ri­gen. Auch das ist Hei­lung – see­li­sche Hei­lung. In der Casa spricht man so schön von den See­len mit und ohne Kör­per. Tref­fen­der kann man es nicht for­mu­lie­ren.

Aber zurück zur Sei­te der Leben­den: ich habe ein paar der ein­gangs erwähn­ten Men­schen gefragt, wel­che Maß­nah­men (also ihre per­sön­li­chen 50%) sie auf so ein­drucks­vol­le, sicht­ba­re Wei­se zurück ins Leben füh­ren. Es gibt eini­ge über­ein­stim­men­de Aus­sa­gen, die ich an die­ser Stel­le ger­ne tei­len möch­te:

  • Ver­brin­ge aus­rei­chend Zeit mit Dir allei­ne, um Dich Dir selbst und all dem, was in Dir vor­geht, wid­men zu kön­nen – ohne Input von außen.
  • Schla­fe viel, wann immer der Kör­per es ver­langt; und beach­te das Ruhe­be­dürf­nis von Kör­per und See­le vor­ran­gig.
  • Fin­de her­aus, was Dir Stress berei­tet (das Arbeits­um­feld, eine am Ende ange­lang­te Bezie­hung etc.) und ent­fer­ne die Stres­so­ren radi­kal aus Dei­nem Leben. K. sag­te: „Das gan­ze Leben ist eine ein­zi­ge Anein­an­der­rei­hung von zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen – gro­ßen und klei­nen. Es geht dar­um, die Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die für Dein wah­res Wohl zuträg­lich sind. Wenn Du es zulässt, dann wird der Krebs Dich das leh­ren.“ (Da muss­te ich echt schlu­cken …)
  • Wid­me Dich täg­lich Dei­ner spi­ri­tu­el­len Pra­xis, was auch immer das sein mag – Medi­ta­ti­on, Kon­tem­pla­ti­on, Gebet, Sein in der Natur, …
  • Stel­le Dich Dei­nen Emo­tio­nen und Pro­zes­sen und neh­me sie an; unter­drü­cke und ver­leug­ne sie nicht.
  • Ernäh­rung: der gemein­sa­me Nen­ner aller (egal ob sie sich vegan oder von Misch­kost ernäh­ren) ist die hohe Qua­li­tät der Lebens­mit­tel – fri­sche Lebens­mit­tel aus bio­lo­gi­schem Anbau; kei­ne Fer­tig­nah­rung, Ver­mei­den von Industriezucker-(produkten), ein­fa­chen Koh­le­hy­dra­ten (Weiß­mehl + Co.), (Kuh-)Milchprodukten und rotem Fleisch. Außer­dem berück­sich­ti­gen sie die eige­nen Kon­sti­tu­ti­on und indi­vi­du­el­le Ver­träg­lich­keit. (Z. B. ist Roh­kost nicht für jeden gut ver­dau­lich.)
  • Fol­ge Dei­ner Wahr­heit und ach­te dar­auf, mit wel­chen Men­schen Du Dich umgibst.
  • Ver­traue in die Dich bedin­gungs­los lie­ben­de, gött­li­che Quel­le und ihren wohl­mei­nen­den Plan für Dich.
  • Sei bestän­dig in Dei­nen Weg und füh­le die Hin­ga­be.

Man­ches davon ist mir im Ver­lauf mei­nes Lebens zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit gewor­den, manch ande­re Aus­sa­gen haben mich im Mark getrof­fen. Wo will ich nicht „hin­gu­cken“? Wo mache ich fau­le Kom­pro­mis­se aus Gewohn­heit, Angst oder ande­ren unfrei­en Beweg­grün­den? Wo ent­schei­de ich halb- oder unbe­wusst gegen mein wah­res Wohl?

Die­se Vor­bil­der sind an einem Punkt in ihrem Leben ange­langt sind, an dem kei­ne „hal­ben Sachen“ mehr mög­lich sind. Auch im Sin­ne der Gesund­erhal­tung fin­de ich es mehr als loh­nens­wert, sich von ihnen inspi­rie­ren zu las­sen.


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