Genesungswege

Petra Balschuweit, Praxis für Naturheilkunde und spirituelle Heilweisen

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Der Burnout-Zyklus: alles noch im grünen Bereich oder schon 5 vor zwölf?

Jeder von uns kennt wohl kür­ze­re Zustän­de der Über­las­tung, und bei vie­len Men­schen hal­ten die­se über einen län­ge­ren Zeit­raum an oder wer­den chro­nisch. Wenn ich hier von „Über­las­tung“ spre­che, dann mei­ne ich nicht nur einen High-Pro­fi­le-Job mit einer sech­zig-und-mehr-stün­di­gen Arbeits­wo­che, son­dern auch die Sum­me aller Anfor­de­run­gen, wie zum Bei­spiel pfle­ge­be­dürf­ti­ge Eltern, einen Voll­zeit­job und dabei allein­er­zie­hend sein, trotz chro­ni­scher Erkran­kung (von der mög­li­cher­wei­se kei­ner sonst weiß) am Arbeits­platz vol­le Leis­tung erbrin­gen, und so wei­ter.

Wäh­rend der mensch­li­che Kör­per und die Psy­che durch­aus dazu geschaf­fen sind, zeit­lich begrenz­te Pha­sen von gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen mit vol­lem Ein­satz zu bewäl­ti­gen, weiß mitt­ler­wei­le jeder, dass dau­er­haf­ter Stress krank macht.

Der Burnout-Zyklus

Der deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Psy­cho­lo­ge Her­bert Freu­den­ber­ger (1926–1999) ver­öf­fent­lich­te im Jahr 1974 den ers­ten wis­sen­schaft­li­chen Arti­kel über das Burn-Out-Syn­drom. Von ihm stammt das Modell des 12-stu­fi­gen Bur­nout-Zyklus (auch „Bur­nout-Uhr“ genannt).

1. Stufe: Der Zwang, sich zu beweisen

Dahin­ter steht der an sich völ­lig nor­ma­le Wunsch, erfolg­reich zu sein. Wird an der Erfül­lung die­ses Wun­sches mit zu viel Ver­bis­sen­heit gear­bei­tet, gewinnt er an Eigen­dy­na­mik die zu über­trie­be­nen Erwar­tun­gen an sich selbst führt und zum Zwang wer­den kann.

2. Stufe: Verstärkter Einsatz

Aus der Befürch­tung, die­se zu hohen Erwar­tun­gen nicht erfül­len zu kön­nen, ent­wi­ckelt sich oft die Angst, die Kon­trol­le zu ver­lie­ren. Man bemüht sich, alle Auf­ga­ben noch enga­gier­ter, sorg­fäl­ti­ger und per­fek­ter zu erle­di­gen. Um sicher zu stel­len, dass alles per­fekt läuft, ist man nicht mehr in der Lage, Auf­ga­ben zu dele­gie­ren.

3. Stufe: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Die all­täg­li­chen Klei­nig­kei­ten und Freu­den wer­den als läs­tig und stö­rend emp­fun­den. Nur noch die „eigent­li­che“ Auf­ga­be bzw. die Arbeit zählt. In die­sem Pro­zess wer­den auch kör­per­li­che Bedürf­nis­se wie Pau­sen, Ernäh­rung oder Bewe­gung ver­nach­läs­sigt – denn das erscheint nicht mehr so wich­tig.

4. Stufe: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Auch wenn man bemerkt (oder das Umfeld es einem spie­gelt), dass die „Din­ge“ aus dem Lot gera­ten sind, und die lei­se Stim­me einem sagt, dass es drin­gend an der Zeit ist, zurück­zu­ru­dern, stellt man die eige­nen Bedürf­nis­se wei­ter hin­ten­an. Wich­tig ist nur das „gro­ße Ziel.“ Man beginnt sich zurück­zu­zie­hen und zu ver­ber­gen, wie es einem wirk­lich geht. In die­ser Pha­se ent­ste­hen häu­fig auch zur Kom­pen­sa­ti­on.

5. Stufe: Umdeutung von Werten

Druck und Belas­tung sind jetzt so hoch, dass alles außer dem gegen­wär­ti­gen Moment aus­ge­blen­det wird. Es gelingt kaum noch Wich­ti­ges von Unwich­ti­gem zu tren­nen, die Rela­ti­vi­tät der Ereig­nis­se geht ver­lo­ren und damit auch die Ori­en­tie­rung im Leben.

6. Stufe: Verstärkte Verleugnung auftretender Probleme

Unbe­wusst beginnt man, um sich selbst zu schüt­zen, sein wah­res Befin­den – auch vor sich selbst – zu ver­leug­nen. Durch die­se Ver­leug­nung gelingt es auch, den fort­schrei­ten­den Bur­nout-Pro­zess zu ver­ber­gen. Die per­sön­li­chen Bedürf­nis­se wer­den noch wei­ter ver­nach­läs­sigt und eine zyni­sche Lebens­hal­tung stellt sich ein.

7. Stufe: Rückzug

Als Fol­ge davon beginnt man sich immer wei­ter von sich selbst und der Welt zurück­zu­zie­hen. Hoff­nungs­lo­sig­keit und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit stel­len sich ein. Emo­tio­nen wer­den abge­spal­ten.

8. Stufe: Beobachtbare Verhaltensänderung

Man zieht sich so weit zurück, dass man sich von Zuwen­dung ange­grif­fen fühlt. Man kann nicht mehr rich­tig unter­schei­den, wer oder was unter­stüt­zend und auf­merk­sam sein möch­te.

9. Stufe: Depersonalisation

Auf die­ser Stu­fe beginnt man das Gefühl für sei­ne eige­ne Per­sön­lich­keit zu ver­lie­ren. Es gibt nun gar kein Bewusst­sein mehr für eige­ne Bedür­nis­se, und alles, was mit dem eige­nen Kör­per und Per­son zu tun hat wird ver­neint.

10. Stufe: Innere Leere

Das Krank­heits­bild ver­fes­tigt sich, häu­fig ent­ste­hen Ent­ste­hen von Pho­bi­en, und Panik­at­ta­cken tre­ten auf. Man fühlt sich inner­lich völ­lig leer, nutz­los und aus­ge­laugt. Mit Dro­gen und Auf­putsch­mit­teln wird dann ver­sucht, sich noch irgend­wie am Lau­fen zu hal­ten.

11. Stufe: Depression

Nun ent­steht eine mani­fes­te Depres­si­on, und außer Erschöp­fung, Ver­zweif­lung und dem Wunsch nur noch schla­fen zu wol­len, ist nicht mehr viel wahr­zu­neh­men. Oft tau­chen auch Gedan­ken an Sui­zid auf.

12. Stufe: Völlige Burnout-Erschöpfung

Dies ist ein lebens­ge­fähr­li­cher Zustand! Die voll­kom­me­ne Erschöp­fung hat Geist, See­le und Kör­per ganz in Besitz genom­men. Das „Ich“ hat sich auf­ge­löst, ein Lebens­zweck ist nicht mehr erkenn­bar, meist bricht auch das Immun­sys­tem zusam­men.

Mit Burn-Out ist nicht zu spas­sen. Die­se Pro­ble­ma­tik darf weder ver­harm­lost noch ver­schwie­gen wer­den, die Dyna­mik ist ver­trackt. Zögern Sie nicht, sich Unter­stüt­zung holen, wenn Sie allei­ne – was in den ers­ten 4 Stu­fen in der Regel noch mög­lich ist – den Aus­stieg nicht mehr schaf­fen.


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